Nierenerkrankung beim Hund
11. November 2021

Diagnose: Nierenerkrankung beim Hund! Was jetzt?

Bei einer Nierenerkrankung beim Hund ist es wichtig, Warnsignale ernst zu nehmen, die auf eine Störung hindeuten könnten. Denn sobald Symptome auftreten, können mehr als zwei Drittel der Nierenfunktion verloren gehen. Eine frühzeitige Diagnose und eine angepasste Fütterung ermöglichen es aber, ein Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen oder sogar zu stoppen.

Warnsignale für Nierenprobleme richtig deuten

Erste Anzeichen für eine Nierenerkrankung beim Hund

Weil die Nieren nicht nur für die Entfernung der Abfallprodukte aus dem Blutkreislauf wichtig sind, sondern auch den Wasserhaushalt regulieren, kann ein Tier unter starkem Durst leiden, wenn die Nieren überlastet sind. Es kann auch dazu kommen, dass deine Fellnase verstärkt Urin absetzen muss oder unsauber wird.

Weitere Symptome für Nierenerkrankungen beim Hund können sein:

  • Verminderter Appetit
  • Gewichtsverlust
  • Erbrechen und Durchfall
  • Anämie
  • Maul- und Körpergeruch (Uringeruch)
  • Energiemangel und Vitalitätsverlust
  • Stumpfes, struppiges Fell

Sobald du einige dieser Symptome bemerkst, wende dich an deine:n Tierarzt:in und lasse einen Blut- und ggf. einen Urincheck durchführen. Je früher eine Nierenerkrankung beim Hund diagnostiziert wird, desto größer ist die Chance, die Nierenfunktion deines Hundes zu erhalten.

Nierendiätfutter für Hunde

Tierärzt:innen empfehlen deinem Tier in der Regel ein proteinarmes Spezialfutter, wenn eine Nierenerkrankung festgestellt wurde.

Gewöhnliches Nierendiätfutter für Hunde ist:

  • PROTEINARM: Aber! Es gibt keinen Grund, Protein in der Ernährung deines Hundes einzuschränken. Dein Hund braucht hochwertiges Eiweiß, um seine Muskelmasse zu erhalten. Ein Zuwenig an Eiweiß kann unter Umständen zu einer gefährlichen Mangelernährung füh­ren.
  • PHOSPHATARM: Ein erhöhter Phosphatwert im Blut bestätigt, dass die Funktion der Nieren nachgelassen hat. Die Reduktion von Phosphat ist daher wichtig und richtig. Trotzdem ist Phophat für den Körper essentiell. Deshalb muss zwischen „natürlichem“ und „künstlichem“ Phosphat unterschieden werden. Künstliches Phosphat ist als Zusatzstoff zum Beispiel in hochgradig verarbeiteten Produkten enthalten. Das ist zu vermeiden. Es dient vor allem als Konservie­rungsmittel (E 338, E 339, E 340 und E 341).
  • NATRIUMARM: Natrium ist wichtig zur Speicherung von Feuchtigkeit. Daher ist eine Reduktion von Salz umstritten. Der bedarfsgerechte Einsatz von Salz ist bei Nierenerkrankungen wichtig.
  • Reich an VITAMIN-B: B-Vitamine können den Appetit deiner Fellnase anregen. Außerdem werden die wasserlöslichen B-Vitamine schnell über den Urin ausgeschieden. Daher ist eine zusätzliche Unterstützung mit einem guten B-Komplex sinnvoll.
  • ENERGIEREICH: Ein auf die Erkrankung angepasster Energiegehalt im Futter ist sehr wichtig. In den üblichen VET Diätfuttermitteln werden dafür hohe Mengen an Kohlenhydraten eingesetzt. Diese sind allerdings schwer zu verdauen! Hunde benötigen gemäß ihrer genetischen Abstammung kaum Kohlenhydrate, dafür aber hochwertiges Protein und Fett.
  • OMEGA-3-Fettsäuren: Öle und Fette werden im Trockenfutter durch Oxidation schnell ranzig. Das macht diese wichtigen Fettsäuren unwirksam und sogar schädlich. Auch im Feuchtfutter zerfallen die Fettsäuren durch Erhitzung bei der Produktion und sind später wertlos. Es ist daher besser, deinem Futter gesunde Omega-Fettsäuren immer frisch hinzuzufügen.

Gutes Nierendiätfutter für Hunde ist selbstgemachtes Futter

  • Verwende zur Ernährung deines Hundes hochwertige Zutaten: Gutes Muskelfleisch ist wichtig zur Erhaltung der Muskelmasse. Eine artgerechte und ausgewogene Ernährung mit phosphatarmen Fleisch und vorrangig grünen Blattgemüse Sorten ist genau richtig. Wenn dein Hund kein rohes Futter verträgt, kannst du es schonend dünsten oder nach einem gutem Dosenfutter Ausschau halten.
  • Fette: Dein Hund braucht im Fall einer Erkrankung etwas mehr Energie. Achte auf einen ausreichenden Fettgehalt im Futter (ca. 12-15%)
  • Frische oder gefriergetrocknete Nieren füttern: Gebe deinem Futter als Innerei Nierenfleisch hinzu. Die Nährstoffe aus der Niere können helfen, die Nieren zu unterstützen!
  • Probiotika zusetzen: Gute Bakterien helfen, ein gesundes Verdauungssystem aufrechtzuerhalten. Natürliche Quellen für Probiotika sind fermentierte Lebensmittel wie Kefir oder fermentiertes Gemüse. Achtung: Bei histaminsensiblen Hunden solche Lebensmittel lieber meiden.
  • Präbiotika: Sie liefern die Nahrung für die guten Darmbakterien. Natürliche Quellen für Präbiotika sind spezielle Pflanzenfasern wie Flohsamenschalen, Pilze oder auch Löwenzahn.

Darauf solltest du bei der Fütterung eines nierenkranken Hundes achten

  • KEIN TROCKENFUTTER: Trockenfutter enthält zu wenig Wasser und Feuchtigkeit. Das belastet die Nieren, denn sie sind für die Regulierung des Wasserhaushalts wichtig. Gewöhnliches Trockenfutter ist zudem mit reichlich Konservierungsmitteln und synthetischen Zusatzstoffen belastet. Diese Stoffe müssen wiederum über die Nieren ausgeschieden werden, was zusätzlichen Stress verursacht. 
  • PHOSPHATGEHALT beachten: Ist eine Nierenerkrankung beim Hund bekannt, sollte so wenig wie möglich Phosphat im Futter landen. Knochen enthalten viel Phosphat, dementsprechend ist es ratsam, keine Knochenteile oder nur wenig knochenhaltiges Futter zu füttern. Das heißt auch, dass du Fleisch füttern solltest, das von Natur aus weniger Phosphat enthält. Die folgende Tabelle zeigt den Phosphatgehalt einiger Lebensmittel, die für die Hundeernährung relevant sind:

Fleischprodukt
Phosphorgehalt (mg) / 100g
Rindfleisch, 8% Fett
160
Rinderleber
351
Hühnerfleisch, 10% Fett
165
Kaninchenfleisch, mager
210
Pferdefleisch, mager
221
Putenfleisch, 10% Fett
147
Seelachs
300
Sardinen
258
Wildschwein, 10% Fett
167

Fisch hat in der Regel einen hohen Phosphatgehalt, daher sollte Fisch nur wenig gefüttert werden. Konzentriere dich auf Sorten, die weniger Phosphat enthalten. Putenfleisch dagegen hat einen geringeren Phosphatanteil, so dass sich dieses Fleisch beispielsweise gut für eine Nierendiät eignet – vorrausgesetzt dein Hund verträgt es auch.

Sämtliche Nährwerte der beispielhaft angegebenen Lebensmittel unterliegen natürlichen Schwankungen. Die Angaben können nur eine Orientierung darstellen.

  • Phosphatbinder: Eine weitere Möglichkeit, einem hohen Phosphatgehalt entgegenzuwirken, ist einen Phosphatbinder im Futter zu verwenden. Das kann helfen, überschüssiges Phosphat mit dem Kot auszuscheiden. Beispiele für Phosphatbinder sind Ipaktine, Chitosan oder auch Calciumcarbonat. Die Dosierung solcher Futterergänzungsmittel hängt von der Ernährung deiner Fellnase sowie dem Phosphatspiegel ab, den du überwachen solltest.
  • Kalium: Die Fütterung von kaliumreichen oder kaliumarmen Lebensmitteln kann dazu beitragen, den Kaliumspiegel des Hundes zu beeinflussen. Eine kaliumarme Fütterung ist im fortgeschrittenen Stadium einer CNI erforderlich.

Wertvolle Futterergänzungsmittel für die Nierengesundheit

  • Organextrakte: Die Gabe von getrocknetem Organgewebe kann bei vielen Schwächen wie zum Beispiel einer Nierenerkrankung neue Energie und Kräfte verleihen. Die Extrakte sollen außerdem Einfluss auf die Regeneration geschwächter Zellen und Gewebe haben. Organextrakte enthalten viele Nährstoffe wie Enzyme, Mineralstoffe und Spurenelemente. Grundlage für die Verwendung solcher Ergänzungsmittel ist das „Simile-Prinzip“ – Gleiches heilt Gleiches. Ein Nierenextrakt wird beispielsweise verwendet, um positive Wirkungen auf die Nieren des Hundes zu erhalten.
  • Kräuterheilkunde: Verwende in deinem Futter einige frische Kräuter wie Löwenzahn, Petersilie oder Bärentraube zur Unterstützung der Nieren.
  • Heilpilze: Studien können belegen, dass Pilzarten wie Cordyceps und Astralgus die Nieren schützen und deren Funktion verbessern können. Du kannst Heilpilze bei Hunden als Futterergänzung verwenden.
  • Chinesische Kräuter: Spezielle TCM Kräuter werden schon lange bei Hunden und Katzen verwendet werden, um die Gesundheit zu unterstützen. Es gibt bereits einige vorgefertigte Kräuterrezepte, die eine Reihe von Körpersystemen unterstützen können –  darunter: Nieren- und Harnwege, Magen und Darm, emotionale Unterstützung, Gelenke, Haut- und Fell.

  • https://www.bft-online.de/kleintiergesundheit/2010/niereninsuffizienz-bei-hund-und-katze
  • http://www.vitalstoff-lexikon.de/Mineralstoffe/Phosphor-/Lebensmittel.html
  • https://www.dogsnaturallymagazine.com/kidney-failure-in-dogs-natural-treatment-options/

Autor

Hildegard Ockenfels

Mitbegründerin von BESTE KUMPELS. Sie arbeitet als Futterexpertin und -coachin, Raw Dog Food Nutrition Specialist & Theta Healing Practioner, um Hunden, Katzen und ihren Menschen zu helfen, gesund zu bleiben. Sie lebt zusammen mit ihrer Frau und den zwei Hündinnen Lilly & Pepper im Ruhrgebiet.

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