Huhn-mit-Reis
12. Juni 2021

Warum die Huhn-mit-Reis Diät keine Schonkost ist

Die selbstgekochte Huhn-mit-Reis Diät ist die Standardempfehlung vieler Tierärzt:innen für alle Hunde, die an irgendeiner Form von Verdauungsstörungen leiden. Dieses Futter soll dabei helfen, sich von Durchfall oder Erbrechen zu erholen. Denn angeblich enthalten gekochtes Hühnchen und weißer Reis genügend Nährstoffe, um dem Hund bei der Genesung zu helfen. Warum das eine der schlechtesten Empfehlungen für deinen Hund ist, kannst du hier nachlesen.

Nicht jede Ursache von Durchfall lässt sich mit Huhn und Reis behandeln

Neben einer sogenannten Magen-Darm-Grippe, die in der Regel durch Bakterien hervorgerufen wird, können auch andere Gründe für Durchfall ursächlich sein.

Weitere Ursachen für Durchfall beim Hund:

In diesen Fällen ist eine dauerhafte Futterumstellung auf verträgliches und spezielles Futter auf jeden Fall notwendig. Außerdem können weitere Maßnahmen zur Diagnosefindung eingesetzt werden wie Kotuntersuchungen, Blutuntersuchungen, Röntgenaufnahmen oder Bauchultraschall.

Nur weil „Huhn-mit-Reis“ üblich ist, heißt das nicht, dass das die beste Schonkost für den Hund ist

Eine Fütterung von Huhn mit Reis ist keine vollständige und förderliche Ernährung bei immer wieder auftretendem (chronischen) Durchfall. Es fehlen wichtige Nährstoffe, Vitamine, Aminosäuren und Mineralien, die für die Erholung des Hundes wichtig sind.

Auch wenn die Magen-Darm-Probleme beispielsweise durch ein unausgeglichenes Darmmikrobiom verursacht werden, trägt eine Huhn-mit-Reis Diät nichts dazu bei, dieses Ungleichgewicht zu korrigieren. Für eine normale Verdauung benötigt es unter anderem ein ausgewogenes Gleichgewicht der im Darm lebenden Bakterien (Probiotika). Eine Zugabe von freundlichen Darmbaktierien und löslichen Ballaststoffen trägt vielmehr dazu bei, Ungleichgewichte wiederherzustellen und ein gut funktionierendes Darmmikrobiom zu fördern.

In allen Fällen von länger anhaltendem oder wiederkehrendem Durchfall beim Hund muss die Ursache gefunden und behandelt werden.

Die Huhn-mit-Reis Diät ist eine der schlechtesten Empfehlungen, die es für einen kranken Hund gibt

Auch im Falle einer akuten Magen-Darm-Verstimmung, die in der Regel nach wenigen Tagen wieder abklingt, ist die Fütterung von Huhn mit Reis nicht empfehlenswert:

  1. Reis kann von Hunden nicht gut verdaut werden. In der Regel scheidet ein Hund den ganzen Reis wieder aus. Der Kot ist dann gespickt mit weißen Körnern. Reis ist außerdem nährstoffarm, er entwässert, hat einen hohen glykämischen Index und enthält zu viel resistente Stärke (Zucker). Diese Stärke ist unverdaulich. Das belastet das ohnehin geschwächte Verdauungssystem zusätzlich. Hunde, die unter einer getreide- oder glutenunverträglichkeit leiden, sollten ebenfalls nicht mit Reis gefüttert werden, um eine negative Reaktion darauf zu vermeiden.
  2. Huhn gilt als Allergieauslöser und enthält zu viele Omega-6-Fettsäuren, die Entzündungen fördern. In der traditionellen chinesischen Medizin (TCM), wo Essen in Energie, Geschmack und Bewegung eingeteilt ist, wird Huhn zum Beispiel als „heißes Lebensmittel“ eingestuft. Bei Entzündungen im Körper sind gemäß der TCM kühlende Lebensmittel die bessere Wahl. Das kann helfen, Hitze und Giftstoffe zu beseitigen und das Blut zu beruhigen.
  3. Die Huhn-mit-Reis Diät ersetzt keine verlorene Elektrolyte wie Natrium und Kalium oder Vitamine, um eventuelle Verluste durch Erbrechen und Durchfall auszugleichen.
 

Was hilft bei einer Magen-Darm-Erkrankung bei Hunden?

Wenn es sich um einen durch Viren oder Bakterien entstandenen Magen-Darm-Infekt (plötzlicher Durchfall und Erbrechen) handelt, sollten die Symptome nach spätestens 3 Tagen vollständig abgeklungen sein. Zu Beginn ist das Fasten bis zu 24 Stunden hilfreich (Welpen, alte und kranke Hunde nicht fasten lassen, sondern den Tierarzt aufsuchen). Sobald der Durchfall dann aufhört, zuerst eine klare Brühe mit Gemüseeinlage füttern. Kommen Durchfall und Erbrechen nicht zurück, darf danach wieder festere Nahrung mit etwas Fleisch angeboten werden.

  1. Wähle eine magere Fleischsorte, die gut vertragen wird. Hat dein Hund eine Allergie gegen Hühnchen, ist es widersinnig Huhn zu füttern. Kühlende Fleischsorten gegen innere Entzündungen sind Kaninchenfleisch oder Ente. Auch Truthahn, Putenfleisch oder Wachtel eignet sich bei Verdauungsstörungen.
  2. Kombiniere dazu gekochten Kürbis. Kürbis ist besonders leicht verdaulich und reich an wichtigen löslichen Ballaststoffen. Diese helfen, den Kot zu festigen. Außerdem enthält Kürbisfleisch Vitamin E, Kalium, Kupfer, Mangan und Eisen, Carotinoide und das Spurenelement Selen. Studien (1) zeigen, dass Kürbis für alle Arten von Verdauungsproblemen gut ist. Es wirkt beruhigend auf den Organismus deines Hundes und ist leicht verdaulich.
  3. Gib Probiotika. Probiotika sind nützliche Mikroorganismen, die zur natürlichen Vorbeugung und Behandlung von Durchfall verwendet werden können. Probiotika helfen, Entzündungen zu reduzieren – eine der Hauptursachen für Durchfall. Die besten Probiotika für Hunde mit Durchfall sind: Saccharomyces boulardii, Bacillus subtilis, Enterococcus faecium, Pediococcus acidilactici, Lactobacillus acidophilus.
  4. Verwende L-Glutamin als Futterzusatz. L-Glutamin ist eine Aminosäure, die Darmzellen heilen kann. Du kannst L-Gluthamin einfach zum normalen Futter geben. Dosierung: 500 mg pro 15 kg Körpergewicht täglich.
  5. Nutze Eibischwurzel. Eibischwurzel ist ein Heilkraut zur Beruhigung des Magen-Darm-Trakts und zur Verringerung von Entzündungen. Gib ein bis zweimal täglich 1/2 TL pro 10 kg Körpergewicht.

Autorin

Hildegard Ockenfels

Mitbegründerin von BESTE KUMPELS. Sie arbeitet als Futterexpertin und -coachin, Raw Dog Food Nutrition Specialist & Theta Healing Practioner, um Hunden, Katzen und ihren Menschen zu helfen, gesund zu bleiben. Zusätzlich berät Hildegard Kund*innen in Kräuterkunde & Homöopathie für Hunde und Katzen. Sie lebt zusammen mit ihrer Frau und den zwei Hündinnen Lilly & Pepper im Ruhrgebiet.

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