Galle
Die Galle wird kontinuierlich in der Leber gebildet, in der Gallenblase gespeichert und bei Bedarf in den Dünndarm abgegeben. Ihre Hauptaufgabe: Fett emulgieren – also in feine Tröpfchen zerlegen, damit die Enzyme der Bauchspeicheldrüse es verdauen können. Ohne Galle kann der Körper Fett nicht verwerten – egal wie hochwertig es ist. Die Galle entscheidet also maßgeblich mit darüber, wie gut ein Hund fetthaltige Mahlzeiten verarbeiten kann.
Die Gallenproduktion wird durch die Leber reguliert und hängt von mehreren Faktoren ab: Leberfunktion, Fettgehalt der Nahrung, Darmgesundheit und auch von Stress. Ist das System dauerhaft überfordert – etwa durch zu fettreiches Futter, chronische Leberbelastung oder wiederkehrende Darmentzündungen – kann die Gallenproduktion oder -abgabe gestört sein. Manchmal fehlt auch einfach die Kapazität, weil die Leber mit anderen Aufgaben beschäftigt ist (Entgiftung, Entzündungsprozesse).
Ein weiteres Problem: Gallensäurenverlust. Normalerweise werden Gallensäuren im unteren Dünndarm wieder aufgenommen und zur Leber zurücktransportiert (enterohepatischer Kreislauf) – ein effizienter Recyclingprozess. Ist die Darmschleimhaut jedoch geschädigt, die Darmflora aus dem Gleichgewicht oder die Darmpassage zu schnell (Durchfall), gehen Gallensäuren verloren. Sie gelangen in den Dickdarm, reizen dort die Schleimhaut und können chronischen, wässrigen Durchfall verursachen. Gleichzeitig fehlen sie im Dünndarm für die Fettverdauung – ein Teufelskreis.
Ist das Gallensystem überfordert, zeigt sich das häufig über weichen, gelblichen oder fettglänzenden Kot, Bauchgrummeln, Unruhe nach dem Fressen, morgendliches Erbrechen von gelber Flüssigkeit (Galle) oder auch über chronischen Durchfall, der trotz Schonkost nicht besser wird. Diese Zeichen werden im Alltag oft als „Magenproblem" missverstanden – dabei liegt die Ursache meist tiefer im Verdauungstrakt.
Besonders anfällig für Gallenthemen sind Hunde mit fettreicher Fütterung, Lebervorerkrankungen, chronischen Darmproblemen, nach Antibiotikagaben oder bei dauerhaft hohem Stresslevel. Auch ältere Hunde oder Hunde mit wiederkehrenden Pankreatitis-Schüben zeigen häufig Auffälligkeiten im Gallenbereich.
Wichtig zu verstehen: Gallenthemen entstehen meist schleichend, nicht plötzlich. Sie zeigen Anpassungsbedarf – oft durch Reduktion des Fettgehalts, Stabilisierung der Darmflora oder Entlastung der Leber. Die Frage ist weniger „Ist die Galle kaputt?", sondern „Was überfordert das System gerade, und wie kann ich das reduzieren?"
Siehe auch (Lexikon)
Fettgehalt · Leber · Kotfarbe · Kotkonsistenz · Durchfall
Weiterlesen (Blog)
Galle und Fettverdauung beim Hund